gelbke1.jpg Auf dem Kamel durch die Wüste
Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke und Tochter Paula flogen mutig nach Ägypten und wurden dort wie VIPs behandelt

Ein neues Vierteljahrhundert beginnt, das zweite in der Geschichte der vereinten deutschen Bundesrepublik. Die Feier zum 50. könnte ich ja noch schaffen, wenn die Weltpolitik mitspielt. Das klingt irgendwie nach einem Plan, oder? Aber erst einmal beginnt die neue Spielzeit in Frankfurt (Oder) und in Datteln. Diese Gewohnheit, die Zeit in Spielzeiten zu bemessen, ist mir lieb geworden: Man beginnt das neue Jahr an noch hellen Tagen, deren Herbstsonne Kraft spendet und man beendet es mit Urlaub - der mich und meine Tochter, mutig und nicht medienhörig, wie wir nun mal sind, diesmal nach Ägypten geführt hat.

Und es war einer der schönsten Urlaube jemals! Kairo, Nil und Safaga exklusiv – denn obwohl wir eigentlich eine Reisegruppe hätten sein sollen, waren wir nur zu zweit, VIP’s sozusagen. Weil in den Jahren nach der Revolution zwei Drittel des Fremdenverkehrs eingebrochen sind, hatten wir die Reiseführer für uns allein, die Kleinbusse und die Sehenswürdigkeiten. Auf dem Nilschiff hat man uns statt ins gebuchte Unterdeck ins Oberdeck gebettet, und selbst die wenigen Händler in den Tempeln und Pyramiden (sind die anderen inzwischen alle hier?) hielten uns wohl für Außerirdische, die man besser nicht anspricht.

Kaum zu ertragen war hingegen die Hitze – bis zu 48 Grad tagsüber, nachts bis 36, zu der sich einmal auch noch Sandstürme gesellten – und nach einem Kamelritt meiner Tochter in die Wüste, den ich auf einem Pferd begleitet habe, dachte ich, verdursten zu müssen, was allerdings mit heißem Malventee des netten Hotelpersonals verhindert wurde. Da Paula keine Klimaanlagen verträgt und daher wie in einer Sauna – in kühle nasse Handtücher gewickelt – geschlafen hat, bin ich auf den Balkon geflüchtet, das große Moskitonetz hatte ich ja klugerweise mitgenommen. Das war dann wunderschön, mit dem Meeresrauschen und dem Sternenhimmel über mir einzuschlafen.

Den Verkehr in Kairo muss man erlebt haben! 18 Millionen Menschen bevölkern diesen Moloch - und alle scheinen Auto zu fahren, nicht ohne Regeln, wie uns schien, aber die erschließen sich dem Fremden wahrscheinlich nie. Trotzdem fühlten wir uns ausgesprochen sicher. Auch in der Kneipe auf dem Tahir-Platz – allerdings hatten wir immer einen Schatten, der uns gefolgt ist, was uns irgendwie amüsiert hat. Andere würden wahrscheinlich „Polizeistaat” schimpfen, aber uns hat das „Behütetsein” gefallen. Schlimm ist der Umgang mit den Müllbergen, wie auch unser Reiseleiter fand: Die Menschen, die ihre Wohnungen und Hütten und sich selbst sehr sauber halten, schütten einfach alles in die Nilkanäle. Einer wird jetzt einfach zubetoniert – und zu einer fünfspurigen Autostraße ausgebaut. Das Rote Meer war aber dort, wo wir waren, glasklar und schon im Uferbereich von Hunderten von bunt schillernden Fischarten bevölkert. Ich bin dann trotzdem meistens im Swimmingpool geschwommen, einfach weil das Wasser kühler war. Unser Hotel lag übrigens fest in russischer Hand, was nicht schlimm war, uns aber dieses Gefühl von Orient nahm und uns eher an vergangene Bulgarien-Urlaube erinnerte. Und das begann schon am Büfett: Kaum Obst, sondern eher Kapusta in allen möglichen Varianten – was wir dann auch vehement in der Gästebefragung kritisiert haben.

Trotzdem waren wir glücklich in Ägypten. Die Menschen haben Humor, die Kinder strahlen die Fremden mit solch ehrlicher Freude an, dass einem warm ums Herz wird. Und man vertraut den Deutschen. Oft, wenn sie kein Wechselgeld hatten, haben sie gesagt: Eh, kommt später, ich habe keine Angst: Ihr Deutschen begleicht immer Eure Rechnung. Das fanden wir sehr rührend.

Aber besonders glücklich war ich über meine erwachsene Tochter. Sie hat sich wie ein Kind über die alten Schriften in den Tempeln, über die Grabmalereien, die Mumien und die elegant daher schreitenden Kamele freuen können, und am allerglücklichsten war sie bei einer Heißluft-Ballonfahrt über das Tal der Könige (die ich nicht mitgemacht habe - Angst!). Jetzt planen wir schon neue ägyptische Abenteuer, vielleicht in zwei Jahren, mit Kamelsafari durch die Wüste zum Beispiel. Obwohl - eigentlich hoffe ich, dass Paulchen bis dahin endlich einen Freund hat, mit dem sie verreisen kann.

Ja. liebe jot w.d.-Leser, so viel für heute - die Zeit im Internetcafé in Datteln ist gleich abgelaufen. Inschallah – Gott wird schon alles regeln!

Eure Daggie