Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 131

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit der früheren Schlagersängerin Heidi Kempa fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Heidi Kempa

 

Schlagersängerin und Tierschützerin

 Wenn irgendwann einmal in den vergangenen Jahren der Name Heidi Kempa fiel, brachte ich diesen, ohne zu überlegen, mit einem ganz bestimmten Schlager in Verbindung: „Roter Mohn wird wieder blühn“. Der stammt aus dem Jahre 1962 und wurde vom Autoren-Erfolgsduo Dieter Schneider (Text) und Klaus Hugo (Komposition) für die gerade einmal 20 Jahre alte Nachwuchssängerin Heidi Kempa geschrieben. Heute habe ich die Melodie und zumindest die erste Strophe des Liedes noch immer im Kopf, obwohl ich es fast fünfzig Jahre nicht mehr gehört habe und die heute 74-jährige Interpretin erst vor vier Wochen persönlich kennen lernte. Es war einer ihrer ersten Songs und obwohl in den 1960-er und 70-er Jahren rund weitere 80 Titel bei Funk und Platte mit ihr produziert wurden, blieb es ihr erfolgreichster Hit. Den habe ich nun am 30. August zur 500. Kofferradio- Party von Siegfried Trzoß im Freizeitforum Marzahn live gehört und die Interpretin getroffen, die ihre aktive Bühnenlaufbahn schon vor 30 Jahren an den Nagel gehängt hat. Erstaunlich, dass ihr Name noch heute vielen ein Begriff ist, nicht nur Schlagerfans (ich habe das getestet).

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Singen und Gitarre spielen gehörte schon als Jugendliche zu den Hobbys der am 13. September 1941in Velten geborenen Künstlerin. Mit 15 zog die Familie nach Hennigsdorf und Heidi begann nach ihrem Schulabschluss eine Lehre als Industriekaufmann im damaligen VEB Pflanzenfettkombinat Velten. 1960 stand sie in Hennigsdorf zum ersten Mal auf der Bühne – bei „Herzklopfen kostenlos“, einem Wettbewerb für junge Talente, initiiert von „Talentevater“ Heinz Quermann. Beim Kreis- und Bezirksausscheid 1961 erreichte sie mit „Der große Fluss“ und „Liebe mich“ den 1. Platz und wurde zum DDR-Ausscheid eingeladen, den sie erfolgreich bestand. Danach konnte sie eine Gesangsausbildung im Nachwuchsstudio des Berliner Rundfunks absolvieren, wo sie spätere Kollegen wie Roland Neudert, Arite Mann oder Petra Böttcher kennen lernte und den Berufsausweis erwarb.    kempa2.jpg kempa3.jpg
Anschließend nahm sie Ballett- und Schauspielunterricht. Die ersten Rundfunk- und Plattenaufnahmen bei AMIGA folgten und schon bald war die junge Sängerin gern gesehener Gast in damals namhaften Funk- und Fernsehsendungen. Gastspiele ins Ausland folgten – etwa nach Bulgarien, Polen, Jugoslawien und in die Sowjetunion.
Zu ihren bekanntesten Titeln gehörten: „Diesen Walzer tanz ich nur mit Dir“ (1963), „Ich hab nichts gegen Liebe und Mondschein“ (in den Top 15 der Schlager des Jahres 1964), „Ein blauer Sommertag“, „Sieben Rosen“, „Die Story der Liebe“ und „No, no Casanova“ (Single 1965), „Sanssouci-Melodie“ (mit dem Columbia-Quartett) und „Serenade der Liebe“ (mit den Vier Collins, Singles 1963), „Küsse unterm Regenbogen“ (1965), „Mondscheinmelodie“ (1966), „Dein Zuhaus“ und „Wenn es Tränen gibt“ (1975), „Gib es auf, alter Freund“ (1980), „Worte wie Eis“ (1984), „Ich weiß, dass alles wieder schön wird“ (1987).

Seit 1985 arbeitete Heidi Kempa als Gesangspädagogin in Hennigsdorf. Vor 25 Jahren baute die Tierliebhaberin mit Gleichgesinnten den Tierschutzverein Oberhavel auf. Heidi: „Ich bin auf dem Land mit Tieren wie Ziegen, Hühnern, Hund und Katze aufgewachsen und habe eine besondere Beziehung zu Tieren.“
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Sie engagierte sich für den Aufbau eines Tierheimes in Gransee und ist überhaupt viel unterwegs, um Tiere zu retten. Nicht selten nimmt die engagierte Tierschützerin auch ausgesetzte oder schwer traumatisierte Hunde zu sich und päppelt sie wieder auf.
Zu Hause ist Heidi Kempa heute in Germendorf bei Oranienburg. Am 10. Oktober ist sie zu Gast bei Siggi Trzoß im „Kofferradio“- Studio beim Sender Alex Berlin.
Ingeborg Dittmann

Abb.: Heidi Kempa 1963 (das Autogramm schrieb sie persönlich mit dem damals eher seltenen grünen Kugelschreiber in das Buch „Schlagersterne“) und 2015 in Marzahn, dazwischen zwei ihrer Platten.

Fotos: Dittmann, Archiv