Musiklegenden des Ostens - jot w.d.-Serie. Teil 5

In der Juli- Ausgabe begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser- also in den 50er, 60er und 70er Jahren - Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. sprach mit Julia Axen, Mary Halfkath, Jenny Petra, Hartmut Eichler, Vera Schneidenbach, Günter Gollasch, der Blues-Legende Jürgen Kerth, der Stern Combo Meißen und vielen anderen. Wir setzen heute unsere Serie mit Mary Halfkath fort.

Schreiben Sie uns, über welche Künstler Sie mehr erfahren wollen. Wir werden uns bemühen, Ihren Wissensdurst zu löschen.


Mary Halfkath

Die Ulknudel aus dem Norden

Gleich zwei runde Jahrestage konnte die „Stimmungskanone" aus Mecklenburg in diesem Jahr feiern: ihr 45-jähriges Bühnenjubiläum und ihren 65. Geburtstag. „Ich kann's nicht glauben, fühl mich immer noch jung", ; meint die Sängerin, die seit vielen Jahren mit ihrem Mann Joachim, Hund und Wellensittich im Berliner Nordosten lebt und  nach wie vor auf der Bühne steht.

Beim Kaffeekochen tönt lautstark ein Lied auf Platt aus der Küche. Wellensittich Charlie sitzt auf seinem Lieblingsplatz, der Gardinenstange, und nimmt's gelassen. Ist er doch ganz andere Temperamentsausbrüche im Hause Halfkath gewöhnt. Auch Achim (68, Schauspieler, Musiker), Marys Ehemann seit 27 Jahren, weiß mit dem Temperament und der Streitlust seiner Angetrauten umzugehen: „In solchen Momenten setze ich mich ganz still an mein Keyboard oder an den PC und sage mir: „Ich weiß alles und meine Frau weiß alles besser."„Stimmt doch", sagt Mary. " Mich haut so leicht nichts um, ich bin ein Stehaufmännchen."        Mary Halfkath 1959
In den 60er Jahren sprach sie mit dem Schlager „Was kann ich denn dafür, dass es mir schmeckt" vielen ihrer Fans (und wohl auch sich selbst) aus der Seele. „Na und, dann bin ich eben ein bisschen rund", meint die leidenschaftliche Köchin heute selbstbewusst. Ihren Achim stört's nicht. Der hält seine „erste große Liebe" (1961) ganz fest, seitdem er sie nach Jahren wiederfand. „Wir waren damals nach einem Streit auseinander gelaufen, hatten uns fast 15 Jahre aus den Augen verloren." Erst 1976 trafen sich die beiden per Zufall wieder. „Ich fuhr mit meinem himmelblauen Moskvitch vor ihm auf der Straße. Achim ist mir einfach nachgefahren." Bald darauf wurden sie ein Ehepaar. Mary mit Achim im Sommer  2004 in der Lichtenberger Wohnung.
Zu den Hits von damals (Caramba Senores, Sei ein Mann, Der alte Hut von Jerry Flynn) kamen viele neue Schlager dazu. Achim schreibt sie der Mecklenburger Frohnatur gewissermaßen auf den Leib: Stimmungslieder, volkstümliche Songs und sogar einen „Mäckelbörger Blues". Apropos „Mäckelbörg". Mary: „Zu Beginn meiner Karriere sollte ich meinen Namen ablegen. Der sei zu anglizistisch, hieß es. Da habe ich den Bürokraten nachgewiesen: Halfkath ist ein echt mecklenburgischer Name mit Tradition."

Mary mit dem Komponisten Ralf Petersen.

Fotos: Dittmann

Bei sehr vielen Veranstaltungen stand Achim mit auf der Bühne, als Moderator oder mit Sketch-Einlagen. "Besonders seit Achims Schlaganfall und drei Herzinfarkten genießen wir jeden Tag, den wir zusammen verbringen können", sagt Mary. Da scheint es selbstverständlich, dass der Partner in Notfällen auch mal zum Chauffeur wird. Die Sängerin: „Ich musste mir mein Knie operieren lassen." Kein Grund für Mary, hinterm Ofen zu versauern. In der einen Hand die Krücke, in der anderen das Mikro - so erlebten wir sie unlängst bei einer Oldieveranstaltung in Hellersdorf.

Ingeborg Dittmann