Musiklegenden des Ostens - jot w.d.-Serie, Teil 17

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorstellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser - also in den 50er, 60er und 70er Jahren - Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. sprach mit Julia Axen, Mary Halfkath, Jenny Petra, Hartmut Eichler, Vera Schneidenbach, Günter Gollasch, der Blues-Legende Jürgen Kerth, der Stern Combo Meißen und vielen anderen. Wir setzen unsere Serie heute mit der Sängerin und Entertainerin Gerti Möller fort. Schreiben Sie uns, über welche Künstler Sie mehr erfahren wollen. Wir werden uns bemühen, Ihren Wissensdurst zu löschen.

Gerti Möller

Mit 75 kann sie immer noch Spagat

Auch Philipp bestaunt Gertis einzige LP aus dem Jahr 1982

Wenn Gerti mit Bühnenpartnerin Christiane in beinfreien flotten Klamotten als "Zwei falsche Fuffziger" über die Bühne wirbelt, glaubt ihr keiner, dass sie am 30. Oktober 75 geworden ist. Man könnte glatt die beiden Ziffern austauschen. Lockiges braunes Haar, makellose Beine und das Spagat klappt auch noch. Als wir Gerti Möller kurz vor ihrem 75. in ihrem kleinen Häuschen in Berlin Buchholz besuchen, dreht sie auch noch ein paar Runden im Schwimmbecken - bei 15 Grad. Fit hält sich die gebürtige Thüringerin, deren Karriere in den 50ern als Bandsängerin in Meuselbach begann, mit Gartenarbeit oder Spaziergängen mit ihrem Mischlingsrüden Philipp.
Den lässt sie ungern länger allein, wenn sie im Look der 20er Jahre noch immer in Kulturhäusern oder Seniorenklubs auf der Bühne steht. Dann  kümmern sich Tochter Monika oder die Enkel Moritz und Anna um den Familienliebling. Sie schauen auch sonst öfter mal  in Buchholz vorbei, wo Gerti Möller seit ihrer zweiten Scheidung von dem Musiker und Komponisten Horst Krüger seit vielen Jahren allein lebt. Der besucht Gerti nun ab und an mit seiner neuen Familie. "Inzwischen verstehen wir uns wieder gut", sagt Gerti, die mit ihren Männern nie so recht Glück hatte. Dabei ist sie noch heute eine attraktive, warmherzige und selbstbewusste Frau, die ihren Beruf über alles liebt. "Eigentlich wollte ich ja Tänzerin werden, aber das ließ meine Mutter nicht zu", sagt Gerti. "Doch Gesangsunterricht durfte ich nehmen.". Nach einem Sängerwettbewerb in Rudolstadt bekam sie schließlich ihr erstes Engagement als Sängerin einer Tanzkapelle.
Ihre größten Erfolge feierte sie ab 1956 u.a. als Sängerin im Wolfgang-Brandenstein-Ensemble, im Gerd-Michaelis-Chor, der Horst-Krüger -Band und dem Unternehmen Münchehofe. Mit letzterem absolvierte die Sängerin auch unzählige Auftritte im Friedrichstadtpalast, u.a. mit Helga Hahnemann, Roy Black oder Roberto Blanco.  Gern erinnert sie sich an ihre Gastspielrolle am Theater Rostock in der einzigen DDR Rockoper "Rosa Laub" Anfang der 80er Jahre.  "Ich bin eine Frau" hieß ihre einzige LP, die bei Amiga erschien, mit Liedern wie "Mein Kater Kurt", "Ich hatte Sand im  Schuh", "Herzen haben keine Fenster" und "Als die Sonne kam".

Zu ihrem 75. Geburtstag gabs ein "Drei-Damen-Programm". Gerti fuhr mit Tochter Moni und Enkelin Anna-Marfa drei Tage nach Ahrenshoop. "Das schönste Geschenk, das mir die Mädels machen konnten."

I. Dittmann

Der Spagat klappt noch, aber dafür muss sich Gerti ab und zu mit dem Stepper fit halten. Der Sprung ins kühle Nass macht ihr immer Spaß. Kleines Bild: Gertis erstes Autogrammfoto. Fotos: Nachtmann