Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 40

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem Sänger Frank Schöbel fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Frank Schöbel

Seit 45 Jahren auf der Bühne

 

Der dickste Wälzer in meinem Bücherregal, Abteilung Unterhaltung, heißt „Frank und frei“ und ist die im Jahr 2000 im Aufbau Taschenbuch Verlag erschienene Biografie von Frank Schöbel (733 Seiten). Der Autor? Frank Schöbel. Einer, der seit 45 Jahren auf der Bühne steht, kann halt viel erzählen. Zum Beispiel darüber, wie alles mal begann. Damals in Leipzig. Als Sohn einer Opernsängerin und Gesangs-Pädagogin wurde sein musikalisches Talent frühzeitig entdeckt und gefördert. Nach einem „Gastspiel“ bei den Leipziger Thomanern und mehreren Jahren als Amateurmusiker begann seine Karriere als Profisänger am 1. April 1962. Der damals 19-jährige Mechaniker erhielt seinen ersten Arbeitsvertrag als „Refrainsänger mit Gitarre“ beim Tanzorchester der Sonderklasse Heinz Müller. Stundenlohn: 5,10 Mark. 

  

Auch wenn er auf der Bühne heute nicht mehr ganz so dynamisch wirkt, wie 1974 (oben), täuscht das: Wer Frank zuweilen in Traditionsmannschaften Fußball spielen sieht, erlebt hautnah, wie fit er bis heute ist.

Fotos: Dittmann/Archiv

Im August 62 wurde er beim Erich-Weinert- Ensemble der NVA angeheuert. Danach ging`s Schlag auf Schlag aufwärts auf der Karriereleiter – Rundfunkaufnahmen, Plattenverträge, Fernsehen, DEFA (gemeinsam mit seiner damaligen Partnerin Chris Doerk), Auslandstourneen: Frank Lothar Schöbel avancierte zum beliebtesten Schlagerstar der DDR. Hätte es damals schon die Umfragen der Meinungsforschungsinstitute gegeben – Schöbel wären wohl 100 Prozent Bekanntheitsgrad zwischen Rostock und Suhl zugesprochen worden. Spätestens nach der TV-Sendung „Weihnachten in Familie“ mit seiner Partnerin Aurora Lacasa und ihren beiden Töchtern Odette und Dominique kannte ihn wohl auch jedes Kind. 1,8 Millionen Exemplare der 1985 erstmals erschienenen LP wurden verkauft. Noch heute läuft die Sendung im TV. Ein Dauerbrenner. Wie Schöbel selbst.

Sogar die Wende tat seiner Popularität keinen Abbruch, kannte man den „DDR-Sunnyboy“ durch TV und Gastspiele doch längst auch im Westen der nun vereinigten Republik. Trotzdem, der andauernde Erfolg, bis heute, ist ihm nicht in den Schoß gefallen. Eine seiner Maximen: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“ Hat er sich also den neuen Zeiten angepasst, in denen fast alles der Markt diktiert und reguliert? Ja, er hat ein modernes Studio, gute Musiker, hat gelernt, dass man sich „verkaufen“ muss, um weiter in der ersten Liga zu spielen. Er hat sich sogar einen Manager aus dem Westen zugelegt und lässt es auch zu, dass sein Name immer mal wieder in Verbindung mit Interviews, Berichten und Fotos in der Yellow-Press erscheint. Und der geht es bekanntlich weniger um berufliche Projekte, als viel mehr um Storys aus dem Privatleben der Promis. Da kann man dann etwas über Krankheiten oder die Trennung von der Freundin lesen. Schade eigentlich. Wäre es doch viel interessanter zu erfahren, an welchen neuen Songs der Sänger und Komponist (er schrieb über 200 Lieder) arbeitet, wie er zu seinen Themen kommt, wie er denkt und fühlt.

Und trotzdem: Er ist der Alte, so wie er es auch in einem seiner Schlager singt. Der freundliche (nun nicht mehr ganz so) junge Mann von nebenan, der mit Sportfreunden in Köpenick auf dem Fußballrasen kickt, mit dem Nachbarn mal eben eine Runde joggt, für den die Fans noch immer „eine Macht sind“ (im Internet führt er mit ihnen ein Dauerinterview). So ließ er Mitglieder seines Fan-Klubs entscheiden, welche von 80 Titeln auf seine Jubiläums-CD gepresst werden sollten. G a r nicht so einfach bei 43 veröffentlichten Platten und mehr als 500 produzierten Titeln, darunter Hits wie „Blonder Stern“, „Looky Looky“, „Gold in deinen Augen“, „Komm wir malen eine Sonne“, „Wie ein Stern“, „Die Sprache der Liebe ist leis“, „Alt wie die Welt“„Wir brauchen keine Lügen mehr“, „Leb deinen Traum“...

Letzteres könnte auch ein Lebensmotto für ihn sein. Am 11. Dezember wird „Franky-Boy“, der seit vielen Jahren in Mahlsdorf Süd lebt, 65. Aber das glaubt ihm sowieso keiner. Den 733 Seiten seiner Biografie wären also noch etliche hinzuzufügen. Schließlich stammt „Frank und frei“ aus dem vorigen Jahrtausend. 107 Jahre und drei Monate will er werden. Da bleibt noch genügend Zeit, die Jahre im „neuen Land“ aufzuarbeiten.

Ingeborg Dittmann

Am 3. November erscheint die DVD „Das Beste aus Weihnachten in Familie/ Fröhliche Weihnachten in Familie“. 2007 erschien eine Doppel-CD „Hautnah – die Geschichten“ und eine Dreifach-CD „Frank Schöbels Hits, Songs und Raritäten“.