Die „Twin Towers“ sind das Ärgernis

Arbeitsgruppe Bürgerhaushalt sah bei Kiezspaziergang Licht und Schatten

Hellersdorf – Die Arbeitsgruppe Bürgerhaushalt des Stadtteils Hellersdorf-Süd hatte für den 18. Oktober 2008 zu einem „Kiezspaziergang“ mit Norbert Lüdtke, Bezirksstadtrat für ökologische Stadtentwicklung, eingeladen. Etwa ein Dutzend interessierte Bürger „durchstreiften“ den Nordwesten des Stadtteils zwischen Cecilienstraße und Spremberger Straße (für Experten: den „Sozialraum 20“). Ausgangspunkt war der im Bau befindliche „Kompass“, das neue soziale Stadtteilzentrum von Hellersdorf Süd. Wir durften den Bau besichtigen. Es wird offensichtlich ein schönes Haus, und wir sind optimistisch, dass mit der für Januar 2009 geplanten Eröffnung der lange und komplizierte Prozess der Entstehung dieses Hauses – jot w.d. berichtete mehrfach – ein gutes Ende findet. Der Gesamteindruck war recht positiv. An vielen Stellen ist es deutlich sauberer als bei einem solchen Spaziergang vor mehr als einem Jahr.

Beschmiert, kaputt – Die Häuser am Hellersdorfer Eck.

 Foto: Preußer

Ein Spaziergang durch den Jelena-Santic-Friedenspark und entlang der Wuhle ist in jedem Fall ein schönes Erlebnis – aber das wissen die Hellersdorfer (und nicht nur sie) ohnehin. Natürlich fanden wir auch Kritikwürdiges, etwa kaputte Bänke und zerstörte Spielgeräte. Der Stadtplatz Nord am U-Bahnhof Neue Grottkauer Straße war zwar sauber, hat aber offenbar keinerlei Funktion. Darüber wird in der Arbeitsgruppe noch zu reden sein. Hauptaufreger für die Bewohner sind die beiden verwahrlosten Punkthochhäuser am Hellersdorfer Eck. Zwar liegen sie gar nicht in „unserem“ Stadtteil, sondern in Hellersdorf-Nord, aber viele sehen sie jeden Tag, fahren mit U-Bahn, Auto oder Bus daran vorbei oder „genießen“ diesen Anblick aus dem Fenster. Die Häuser wurden einst bewusst als ein auffälliges Symbol für die Hellersdorfer Großsiedlung konzipiert, jetzt sind sie es. Leider in anderem als dem geplanten Sinne. Es geht nicht nur um den Anblick für die Bürger und Gäste Hellersdorfs, obwohl das für das Leben im Stadtteil nicht unwesentlich ist. Es geht noch mehr um das Image von Hellersdorf. Es gibt kaum eine Fernsehreportage über Hellersdorf, in der nicht das Bild dieser Häuser auftaucht. Man muss dann gar nichts mehr kommentieren: schmutzig, beschmiert, verwahrlost – das soll dann für den Stadtbezirk stehen. Dabei kann man sich nur wenige Meter weiter davon überzeugen, dass es sich hier um ein Gebiet handelt, in dem man schön wohnen kann.

Die Debatte um diese Häuser, von manchen „twin towers“ genannt, geht nun schon mehr als 10 Jahre. Geändert hat sich nichts; und wenn, dann ist es schlimmer geworden. Die Häuser sind mehrfach weiterverkauft worden. Seit kurzem soll die „Hoffmann Grundbesitz & Beteiligungen AG“ Eigentümer sein. Privateigentum ist vom Grundgesetz geschützt. Im selben Artikel heißt es aber auch: „Eigentum verpflichtet“. Leider steht nirgendwo einigermaßen genau, wie das eingefordert werden kann. Da es sich um ein städtebauliches Symbol handelt, sollte zu dieser Verpflichtung zumindest gehören, die Gebäude in einen solchen äußeren Zustand zu versetzen, den man guten Gewissens wenigstens als „normal“ bezeichnen kann.

Ich weiß nicht, ob das einklagbar ist, ich bin jedoch überzeugt, dass es eine moralische Verpflichtung gegenüber der Öffentlichkeit gibt. Dabei wäre es das Einfachste, der neue Besitzer erklärte interessierten Bewohnern einfach einmal, wie es weitergeht. Kaum jemand erwartet, dass sich über Nacht das „hässliche Entlein“ in einen „schönen Schwan“ verwandelt. Weitere zehn Jahre Verfall kann man den Bürgern jedoch nicht zumuten.

 Bernd Preußer