Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 51 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit der Sängerin Christiane Ufholz  fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Christiane Ufholz

 

Der erste weibliche Beatstar der DDR

Wenn es um Musiklegenden des Ostrock geht, dann gehört da eine zierliche Sängerin (1.60 Meter) mit großer Stimme dazu, die in der sogenannten Hoch-Zeit von Rock und Pop made in GDR gar nicht mehr im Lande war. Nach ihrem Protest gegen die Biermann- Ausbürgerung 1976 war Christiane Ufholz wie so viele andere in den Westen gegangen. „Ich sollte meine Unterschrift zurückziehen, wurde mir gesagt, sonst ginge gar nichts mehr“, erinnert sich die heute 61-Jährige. Das lehnte Christiane ab. „Die haben dann Heiligabend an meine Tür geklopft und gesagt: Sie haben 24 Stunden Zeit, die DDR zu verlassen.“ Sie nahm ihren damals einjährigen Sohn David und fuhr mit der S-Bahn nach Westberlin. Dort nahm sie Klaus Renft in Empfang. Zu dieser Zeit war Christiane Ufholz in der DDR schon eine bekannte Soul-, Blues- und Rocksängerin (damals sagte man noch Beatsängerin). Sie sang bei den legendären Butlers in Leipzig, bei Lift, Günther Fischer, Klaus Lenz und anderen. Doch der Reihe nach. 

 

Ganz am Anfang stand der Rundfunk Kinderchor Leipzig. Schon mit sechs Jahren gehörte Christiane dazu, war dann im Jugendchor. Nach der Schule absolvierte sie zunächst eine Friseurlehre. Als sie zum ersten Mal die Beatles hörte, wusste sie: So was will ich auch machen. Sie stellte sich mit 16 bei den in Leipzig stadtbekannten „Butlers“ vor, wo sie Klaus Renft quasi „entdeckte“. Nach dem Verbot der „Butlers“ sang sie in anderen Bands, u.a. bei „Studioteam Leipzig“. 1972 holte sie der spätere „Lift“-Chef Gerhard Zachar zum „Dresden- Septett“. Seit Januar 1973 war Christiane dann Sängerin der Dresdner Gruppe „Lift“. Mit „Lift“ und Stephan Trepte spielte sie ihre ersten Titel bei AMIGA ein („Wenn“, „Komm nicht wieder“, „Skandal“, „Es ist vorbei“, „Nachtballade“).
In Berlin absolvierte sie an der Musikschule Friedrichshain das obligatorische zweijährige Musikstudium für den Berufsauseis. 1975 folgte sie dem Ruf des damals legendären Bandleaders Klaus Lenz, sang zeitweise als Gastsolistin bei Günther Fischer und mit Manfred Krug (LP „Du bist heute wie neu“).
 Im Westen war es schwer, beruflich wieder Fuß zu fassen. Discomusik war in dieser Zeit angesagt, nicht Christianes Ding. Sie tat sich mit Eberhard Klunker und Olaf Wegner (ehemals Hansi Bibl Band), Thomas „Monster“ Schoppe und Klaus Jentzsch (Renft) zusammen, lernte sogar Schlagzeug spielen. Doch das gemeinsame Projekt „Windminister“ war wohl zu wenig kommerziell und auf Dauer nicht sehr erfolgreich. Christiane Ufholz ging in ihren erlernten Beruf zurück, nahm wieder ihren Mädchennamen an: Christiane Wunder. Doch eine Vollblutmusikerin wie sie hält es nicht lange ohne die Musik aus. Ende der 80er schloss sie sich wieder verschiedenen Musikprojekten an. Doch der große Erfolg blieb aus. Dazu kamen private Krisen, die Trauer um eine verlorene große Liebe, Alkoholprobleme, Depressionen. Erst nach einem halben Jahr Therapie, Anfang der 90er, ging es wieder aufwärts, dann 2003 wieder ein Rückfall in Depressionen. Ein längerer Krankenhausaufenthalt folgte.

Über all das spricht Christiane offen, fern jeglicher Eitelkeit. Es gehört zu ihrem Leben. Die Ufholz war nie eine von diesen gestylten Bühnenstars mit dem ewigen Lächeln auf den Lippen. Eher eine wie Janis Joplin. Eine kleine Frau mit einer großen Stimme.

Christiane Ufholz hat sogar autodidaktisch Schlagzeug gelernt. Eine ihrer ersten Stationen war das „Studio Team Leipzig“ (li.o); 2005 traf jot w.d. die Sängerin in der damaligen „Knorre“ (re.o.).

 Fotos: Nachtmann, Archiv

Vor fünf Jahren klopften wieder Musikerkollegen bei Christiane an. Sie begann wieder zu singen – als Gastsängerin bei Renft, Modern Soul und der Jonathan Blues Band. Mit Jonathan ist sie noch heute unterwegs (das nächste Konzert gibt die

Ab und zu gastiert sie auch bei den „Sixty Beats“. Mit dieser Band erlebten wir sie am 1. November im Freizeitforum Marzahn. Mit Oldies von den Stones über CCR bis zu Bob Dylan oder Janis Joplin. Schade, dass so wenige Besucher den Weg zum FFM gefunden hatten. Denn die Ufholz auf der Bühne zu erleben, ist immer noch ein musikalischer Hochgenuss.

Ingeborg Dittmann