Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 75 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem Sänger und Komponisten Ralf Bursy fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Ralf "Bummi" Bursy

 

Der Sänger mit dem Schmelz in der Stimme

 Begonnen hatte alles in einer Schülerband. Da war Ralf, oder „Bummi“ wie er als Kleinstkind zuerst von seiner Mutter und später auch von seinen Freunden und Fans genannt wurde, in der 10. Klasse. Uriah Heep und Deep Purple standen auf dem Programm. Nach dem Schulabschluss absolvierte er eine Lehre als Maschinenund Anlagenmonteur, studierte vier Jahre an der Musikschule Berlin Friedrichshain und dann im Fernstudium zwei Jahre an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ Gesang. 1977 gründete er mit Freunden aus der Schülerband die Gruppe „Regenbogen“. Man spielte internationale Rockklassiker nach, aber es gab auch erste eigene Songs. Der bekannteste aus dieser Zeit: „Du machst mich verliebt“. 1979 bis ‘81 war Bummi dann Sänger der Gruppe „Keks“ (in Erinnerung ist aus dieser Zeit besonders der Song „Warten in der Dunkelheit“), ehe er 1982 in die damals schon bekannte Hardrockband „Prinzip“ wechselte. Dort ersetzte er Rainer Kirchmann, der zu „Pankow“ ging. Jürgen Matkowitz, der Chef der Band, erinnert sich anno 2010 in einem Interview bei „Deutsche Mugge“: „Bummi war ein sehr guter Ersatzmann, Ersatzmann ist blöd ausgedrückt, denn er hat dem Ganzen ja noch einen oben drauf gesetzt. Wir haben uns gegenseitig ein bisschen angepasst – wir sind weicher geworden und er ein bisschen härter.“ 

Bei „Prinzip“ war Bummi u.a. an der Produktion der LP „Wir reiten mit dem Sturm“ beteiligt. Nachdem er 1986 die Band verlassen hatte, baute er sich eine Solokarriere auf, startete diese noch im selben Jahr erfolgreich mit einer Quartett-Single mit vier eigenen Songs. Vor allem aber mit dem Lied „Eh die Liebe stirbt“. Der wurde Hit des Monats, war Nummer 1 in der „Beatkiste“ und brachte ihn ins Fernsehen („Stop! Rock“, „bong“). Danach ging es Schlag auf Schlag. 1987 erschien bei Amiga seine erste Solo-LP „Wind im Gesicht“ (u.a. mit „Himbeermond“, „Wenn ich dich nicht halten kann“ und „Feuer im Eis“). Die LP verkaufte sich in der DDR 100 000 Mal. Zwei Jahre darauf folgte die LP „Irgendwo“ (mit „Zeit für Zärtlichkeit“, „Wer bist denn du“).
Inzwischen spielte Bummi, der instrumental eher Autodidakt war, fast alle Instrumente selbst (neben Gitarre auch Keyboards und Bassgitarre). Er ist Komponist, Arrangeur, Tonmeister, Produzent und Sänger in einem. Nebenbei lief ein Projekt mit Kollegen wie IC, Klaus Scharfschwerdt (Puhdys) und Reinhard Petereit (Rockhaus) – den „Piraten“. 1988 dann tourte er mit Freunden wie Michael Barakowski und Rene Decker mit „Wind im Gesicht“ mehrere Monate live durchs Land. Ein drittes Album erschien kurz nach der Wende („Schick mich auf die Reise“), doch der Erfolg hielt sich in Grenzen. Kein Wunder – ging das ehemalige Publikum mit seinem Nachholbedarf doch nun vor allem im Westen auf „Entdeckungsreise“. Mehrere Jahre schien Funkstille zu herrschen, zumindest was das Auftreten des Sängers in den Medien angeht. Erst 1998 erschien beim Label BMG eine „Best of-Zusammenstellung“ unter dem Titel „Eh die Liebe stirbt“ mit seinen Hits aus zehn Jahren Solokarriere. Inzwischen arbeitete Bummi in seinem Tonstudio in Mahlsdorf als Produzent für viele ehemalige und neue Kollegen – u.a. für Marion Sprawe, die Gruppe Lucie, Nena, Veronika Fischer oder IC – und war für die Produktions- und Eventfirma „Jay Kay Musik“ tätig. 

2004 produzierte er noch einmal eine Scheibe mit dem sehr melodischen, ins Ohr gehenden Song „Keine Lügen mehr“ in mehreren Fassungen. Schade, dass dieses Liebeslied in den Medien kaum Beachtung fand. Es ist viel besser, als das, was man tagtäglich im Dudelfunk zu hören bekommt. Ralf „Bummi“ Bursy lebt in Mahlsdorf Süd, er hat zwei Kinder (Juliane, 28 und Alexis, 32) und die Familie betreibt mehrere Modeboutiquen. Sein Studio nannte er „rainbow-tonstudio“. Wohl in Erinnerung an seine erste Band.

Ingeborg Dittmann

   

Abb.: Bummi 1988 (oben), seine Gruppe „Regenbogen“ 1978 und seine Single aus dem Jahr 2004

 Fotos: nl-Archiv, mr-Archiv, privat