Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 87 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem Komponisten vieler Top-Hits ArndtBause fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Arndt Bause

 

Der Komponist mit der Spürnase

 

 

Jeder DDR-Bürger hatte irgendwann in seinem Leben einmal mit Arndt Bause zu tun, behaupte ich. Indirekt natürlich. Das begann schon, wenn man etwa ab Mitte der 60-er Jahre morgens das Radio anstellte. Irgendeiner der Schlager, die da im Unterhaltungsprogramm liefen, war garantiert von Bause – denn der Mann mit der Spürnase für einprägsame Melodien hat wohl die meisten Hits zu DDR-Zeiten komponiert. Mehr als 1300 Schlager- und Chansons gehen auf das Konto des am 30. November 1936 in Leipzig geborenen Musikers, Komponisten, Arrangeurs und Produzenten, der seit 1976 mit seiner Frau Angret und den drei Töchtern Katrin, Anja und Inka in Berlin- Biesdorf lebte. Die Liste der Interpreten, für die Bause komponierte, reicht von A wie Peter Albert („Dreh dich nicht mehr um“) über Ina-Maria Federowski („Gegensätze ziehn sich an“), Hauff/Henkler („Mit Brille wär das nicht passiert“), Aurora Lacasa („Hier wo das Meer zu Ende ist“, Nina Lizell („Der Mann mit dem Panamahut“) bis zu Kerstin Rodger („Bis es wieder kribbelt“), Ireen Sheer („Wie schön ist der Regen“) und die Vari Zwillinge („Zwilling sein ist schwer“). Und manch einer, etwa das Gesangspaar Sandra Mo & Jan Gregor („Hätt` ich noch mal die Wahl“), wurde überhaupt erst durch Bause-Titel bekannt. 
Die größten Hits aber schrieb er für Monika Herz („Kleiner Vogel“, „Charly ade“), Wolfgang „Lippi“ Lippert („Erna kommt“), Andreas Holm („Morgenrot, Abendrot“), Frank Schöbel („Gold in deinen Augen“, „Ich geh vom Nordpol zum Südpol“) und Helga Hahnemann („Hundertmal Berlin“, „Een kleenet Menschenkind“, Jetzt kommt dein Süßer“). Als sich Henne und er 1983 in einem Leipziger Hotel trafen, provozierte sie mit dem Satz „Ick krieg wohl keenen Hit von Ihnen?“ Was Bause selbstredend nicht auf sich sitzen ließ. Bis zum Tod von Helga Hahnemann im November 1991 verband die beiden nicht nur die berufliche Zusammenarbeit, sondern eine enge Freundschaft. Man spielte zusammen Skat, fuhr gemeinsam in den Urlaub oder feierte mit der ganzen Familie. Kurz vor ihrem Tod lud sie ihren „Haus- und Hofkomponisten“ und seine Frau Angret ins Grand Hotel Unter den Linden ein zum „Abschiedsessen“. Später kämpfte Bause mit viel Engagement dafür, dass im Bezirk Mitte eine Straße den Namen seiner langjährigen Freundin und Kollegin erhielt. Gleich vier Alben produzierte er mit Jürgen Walter und Gisela Steineckert, die alle Texte schrieb („Das Leben hat was“, „Wo ich hergekommen bin“, „Bei Erwin“ u.v.a.). Kommerziell am erfolgreichsten war seine Sachsenhymne für Jürgen Hart von den Leipziger Akademixern „Sing, mei Sachse, sing“. Mit ihm produzierte er eine ganze Langspielrille („Hart auf Hart“).
Nach der Wende, als Pop-Musik „made in GDR“ nicht mehr gefragt war, komponierte Arndt Bause vor allem für seine Tochter Inka, die schon als 16-jährige mit dem Schlager „Spielverderber“ ihren ersten TV-Auftritt hatte. Mehr als drei Dutzend Titel produzierten Vater und Tochter, darunter „Schritte“, „Eine Lady sein“ oder „Es ist Sommer“. Als dieser Tage der Große Saal des Freizeitforums Marzahn den Namen „Arndt-Bause-Saal“ erhielt und dort die dreistündige Bause-Gala „Singen macht Laune“ (den gleichnamigen Schlager hatte Bause 1967 für Helga Brauer geschrieben) mit vielen bekannten Interpreten über die Bühne ging, war die mittlerweile bundesweit bekannte TV-Moderatorin natürlich mit von der Partie und freute sich ehrlich über die Würdigung für ihren geliebten Vater. Der Leipziger war sein Leben lang mit der Musik verbunden. Schon mit 12 Jahren begann er Klavier zu spielen, absolvierte dann im Betrieb seines Vaters zunächst eine Lehre als Glasapparatebläser. Schon während der Lehre weckte der Boggie-Woggie sein Interesse an Musik. Er besorgte sich Noten, spielte in verschiedenen Bands Klavier, auch mal Akkordeon oder Posaune, und „wechselte“, nach einigem Hin und Her, 1968 schließlich ganz den Beruf.

Am 6. Oktober 1959 heiratete er seine Angret, die Klempnertochter aus Schwerin. 1962 wurde Tochter Katrin geboren, 65 folgte Anja und 68 Inka. 1962 hatte er erstmals seine Kompositionen beim DDR-Rundfunk angeboten. Durch die Zusammenarbeit mit Texter Dieter Schneider entstanden schon bald erste Hits für Gipsy, Ruth Brandin, Helga Brauer und Frank Schöbel. Um seinen „neuen Beruf“ auf ein solides Fundament zu stellen, begann Arndt Bause 1969 ein fünfjähriges Fernstudium an der Leipziger Musikhochschule in Komposition und Tonsatz. Da sich die Arbeit immer mehr nach Berlin verlagerte, zog die Familie 1975 nach Berlin und lebte seit April 1976 auf eigenem Grundstück in Biesdorf.

Was weniger bekannt ist: Bause schrieb auch zahlreiche Musiken für Trick- und Dokumentarfilme, für Hörspiele und sogar ein Musical „Der Gesang der Grille“, das 1987 in Halberstadt uraufgeführt wurde. Arndt Bause starb am 11. Februar 2003. Er komponierte bis zu seinem letzten Tag, denn: „Man komponiert nicht, weil es ein Job ist. Das ist eine Gabe und damit auch Berufung.“

Ingeborg Dittmann

 

Abb.: Arndt Bause 1975 und als gestandener Komponist 2002. Bauses Witwe Angret und Tochter Inka am Relief im FFM.

Fotos: Dittmann, Gaedecke, Archiv