gelbke1.jpg Mit Albert, Gerd & Co in den Herbst
Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke hat einen neuen, 13 Jahre alten „Lebensgefährten“ und wärmt sich an tollen Traumpartnern, solange die Gasag sie frieren lässt

Eben habe ich bei www.mdr.de sieben Minuten meines Interviews zu Helga Hahnemann entdeckt, gesendet wurden ja nur drei Minuten. Ist ein interessantes Dokument für die Nachwelt. Na ja, man weiß doch nie, wie schnell es gehen kann, bei all den Grippeviren und falschen Medikamenten, die herumschwirren. Ich denke da an dieses junge Model Jennifer Scherman, das gerade erst so plötzlich mit 20 gestorben ist. Aber jetzt mal ehrlich: Geht es Euch manchmal auch so, dass Ihr denkt: Gott, wenn Du jetzt stirbst – wer soll das Chaos, das Du hinterlässt, ordnen? Soweit mein Beitrag zu den offiziellen Trauertagen dieses Monats.

Und nun etwas Positiveres: Am 20. Oktober fand die Premiere (ja, nicht nur die im Friedrichstadtpalast) von „Harte Zeiten – weiche Kekse“ in Frankfurt (Oder) statt. Es ist ein schönes, buntes Programm geworden (die bunten Bilder können auf meiner Facebook- Seite angeschaut werden), auch durch meinen neuen Kollegen, die „Rampensau“ Ralph Richter aus Wittenberg, und durch meine schrägen Kostüme, alles Designer-Klamotten von KiK, wie es im Text heißt. Leider bleiben uns die Zuschauer trotzdem weg und rennen zu Comedy-Gastspielen mit langweiligster Klamottenkomik. Ja, es wächst ein anderes Publikum nach. Ich guck ja auch immer mal „Cindy aus Marzahn“, um mitreden zu können und warte darauf, dass diese neue Miss Piggy die nächste „Goldene Henne“ moderiert. Eine entfernte Ähnlichkeit mit Helga Hahnemann hat die frisch gebackene Comedy- Preisträgerin ja und oft auch deren schnoddrigen Tonfall, oder?

Tja, nun sollte ich eigentlich in die künstlertypische Nachpremieren- Depression fallen – aber nein, ich renne und renne durch den Herbst, man weiß nicht, ob man sich ärgern oder freuen soll. Aber erst einmal freue ich mich, dass ich ein neues altes Auto habe: „Albert“, ein Ford Focus von 1999. Elegant in silbergrau, wie es sich für einen alten Herrn gehört, TÜV bis 2014, und dann sehen wir weiter. Mehr kann ich mir finanziell nicht leisten, zumal ich in meinem Haus noch immer im Kalten sitze seit die Heizperiode begonnen hat. Das mit der Gasag schrieb ich ja schon, vor Januar setzt sich kein Bautrupp zu mir nach Altglienicke in Bewegung, um die erforderliche Leitung ins Haus zu legen. Aber effektive Jahreszinsen von 9,8 Prozent verlangen wollen – nicht mit mir! Der KfW bietet das mit 1 Prozent an, jedoch: Sobald du zu einer Bank kommst, die das für dich in die Wege leiten soll (und muss), fangen sie dort an, um dich zu kämpfen: „Aber warum denn KfW? Unsere Baukredite sind so günstig und unkompliziert, der KfW aber umständlich, wir sind da viel kulanter.“

Alles Verbrecher, wie Omi immer sagte. Ach ja, Omi, sie hatte immer Recht! In dem kalten Haus fehlt sie mir umso mehr, auch, wenn schon sechs Jahre vergangen sind seit ihrem Tod.

Und nun probe ich auch schon wieder mit Gert Kießling für das Kabarettprogramm „Klasse verarscht reloaded“, das wir am 4. November in Eiche bei Ahrensfelde auf die Bühne bringen werden. Das ist jetzt nur eine Information, keine Werbung, denn die Veranstaltung ist bereits ausverkauft. Ich kann gar nicht beschreiben, wie gern ich mit diesem Distel- Urgestein und seiner Frau Renate zusammenarbeite. Ich hatte und habe viele männliche Traumpartner: Siegmund Schwarze (ein Ballettkommilitone aus Chemnitz), Klaus-Peter Pleßow (der „Fabian“ von Pittiplatsch und Schnatterinchen), Giso Weißbach, Jürgen Zartmann und Klaus-Jürgen Steinmann, Bernd Storch, aktuell Wolfgang Flieder und Frank Brunet – jeder auf seine Art wunderbar und ich liebe sie alle! Aber zwei alte Leipziger in Berlin unter sich, das ist und bleibt etwas ganz Besonderes.

Ansonsten warte ich auf das Ergebnis meiner Hausarbeit zum Thema „Klopapier und Sozialismus“, in der mir Lutz Stückrath als Zeitzeuge zum Kabarett der 60-er Jahre Rede und Antwort stand – womit ich bloß daran erinnern will, dass ich immer noch mehr oder weniger fleißig fernstudiere.

Empört bin ich über die Verurteilung der Pussy Riots in Russland, fiebere den Wahlen in den USA entgegen, fürchte um Obama. Und ich amüsiere mich über die beginnenden Wahlkampfquerelen im eigenen Land bzw. rege mich schrecklich darüber auf. Bitte, wie geht das mit den Steinbrückschen Zuverdiensten? Ich gönne sie ihm ja, wirklich, aber wenn unser junges Talent bei den Oderhähnen, wie wir unseren Markus Strache- Zacharyia liebevoll nennen, jetzt gerade drei Monatsbezüge an das Amt zurückzahlen muss, weil er beim Sommerprogramm 100 Euro (einhundert!) zuviel zum Hartz IV dazu verdient hatte, also da kann einem doch der Hut hochgehn. Drei Monatsbezüge zurückzahlen – das ist für einen jungen Familienvater, dessen Frau noch studiert, das Synonym für verhungern! Und bei 70 000 Euro Zuverdienst hört die Meldepflicht im Parlament auf. Unfassbar! Trotz alledem bleibe ich von Herzen

Eure Daggie