Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 120

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. 

Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem Magdeburger Sänger Arnulf Wenning fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Arnulf Wenning

 

Vom steppenden "Paradiesvogel" zum soliden Swing-Interpreten


 Auch wenn er seit Jahren ganz andere Musik macht und meist im „soliden Anzug“ auftritt – der Name Arnulf Wenning wird wohl auf immer mit dem steppenden Pop-Sänger im schrillen Outfit verbunden bleiben. Vor allem aber mit seinem Superhit „Eisdame“, den ihm der Komponist und Musiker Arnold Fritzsch 1986 gewissermaßen auf den Leib schrieb. Mit diesem Disko- Song gewann er den zweiten Preis beim internationalen Interpretenwettbewerb im ungarischen Siofok, belegte den 1. Platz beim Nachwuchsfestival „Goldener Rathausmann“ in Dresden und wurde Publikumsliebling. In Unterhaltungssendungen des DDR-Fernsehens wie Sprungbrett, Stop! Rock oder bong lief der Titel des wie Fred Astaire steppenden Magdeburgers rauf und runter. Dabei gab es einen Song, der noch erfolgreicher war – zumindest in mehreren osteuropäischen Ländern. Mit „Rot so rot“ (ebenfalls Fritzsch) erhielt Wenning 1987 sogar eine „Goldene Schallplatte“

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Dabei wandelte der Sänger in dieser Zeit erst seit zwei Jahren auf Solopfaden, denn bis 1985 gehörte der 1957 in Stendal geborene Musiker verschiedenen Rockbands an. Seine musikalische Karriere begann der gelernte Elektriker mit 17 im Studiochor Magdeburg. Autodidaktisch hatte er sich das Spielen auf der Querflöte beigebracht, was er während seines Studiums an der „Hochschule für Musik Franz List“ in Weimar zwischen 1979 und 83 (Gesang und Querflöte) vertiefen konnte. Zuvor schon hatte Wenning mit Freunden die Magdeburger Gruppe „Gatalula“ gegründet (1977-80), zelebrierte eine Art „Weltmusik“ mit Texten von Hesse und van Veen. Zu Beginn des zweiten Studienjahres wurde er Sänger der damals schon sehr bekannten „Blödelgruppe“ Reggae Play (bis 1984). Die Mischung aus Reggae, Pop, Rock und Comedy fand zahlreiche Anhänger (noch heute legendär: die „Fahrradtour“).

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Doch Mitte der 1980-er wollte sich der Magdeburger neu orientieren und startete eine Solokarriere als Sänger. So richtig aufwärts ging es aber erst nach einer Begegnung mit dem Komponisten Arnold Fritzsch (Gruppe „Kreis“), der ihm Songs wie „Eisdame“, „Rot so rot“, „Mädchen“ und „Frau oder Mann“ schrieb und AMIGA 1987 seine erste Langspielplatte „Arnulf Wenning“ produzierte (2007 erschien eine Neuauflage als CD mit drei Bonustiteln). TV-Auftritte und Tourneen durch die CSSR, Ungarn, Polen, Bulgarien, die UdSSR, Syrien, Jordanien bis in die Mongolei folgten. Wie die meisten Ostmusiker fiel Wenning in Zeiten der politischen Wende in ein tiefes Loch. wenning3.jpg
Er gründete die Schlager-Beat- Kapelle „Arni & die Schlagersterne“, spielte Hits der 1960- er und 70-er Jahre bei Volksfesten und in Hotels. 1993 machte sich der Sänger seinen lang gehegten „Traum vom Fliegen“ wahr und absolvierte eine Ausbildung als Heißluftballonpilot. Mit eigener Firma arbeitete er bis 1986 u. a. für den MDR und war als Fotograf unterwegs.
Die nächste Etappe (1996-99) war sein Projekt „German Dance House feat. Arnulf Wenning“. Umgeben von schönen Tänzerinnen trat er mit Hits der 1960-er bis 80-er mit Dance- Sound Deutschland weit auf, zeitweise auch wieder mit Reggae Play und einer Filmshow. Weitere Projekte wie „Die große Freiheit“ und „Die Liederpiraten“ laufen erfolgreich. Als Capitano Arnulfo nebst Besatzung sang er Lieder über Seemannsabenteuer und interpretierte Hits der alten UFA-Stars wie Hans Albert.
Auf seine „Jugendliebe“ kam Arnulf Wenning vor etwa zehn Jahren zurück – den Swing. Mit seinen Swing-Interpretationen geht er seit 2003 mehreren Projekten nach. Er gründete „Die Romantiker“ als Live-Band, die „Arnulf-Wenning-Band“, tritt mit „The Swingin’Ladies“ auf und arbeitet seit 2005 mit der „Leipzig Big Band“ unter Leitung von Frank Nowicky zusammen. 2014 produzierte er wieder einen eigenen Song – „Ein Spiel“ (Musik Gabor Presser, Text Jana Sohnekind).
 Ingeborg Dittmann
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Abb.: Arnulf am Beginn seiner Solo-Karriere, 2009 mit Reggae Play in Berlin, mit seinen Tänzerinnen und seine neueste Scheibe.
Fotos: nl-Archiv, Nachtmann, PR