Mathe, Politik und Computer 

Bernd Preußer, Abo-Chef von jot w.d. und Schatzmeister des Herausgebervereins, wird 65.

 

 Am Weihnachtsabend vor 65 Jahren, der Polenfeldzug war schon siegreich abgeschlossen, kam in Dresden, das in seiner klassischen Silhouette keine fünf Jahre mehr vor sich hatte, ein Junge zur Welt. Nach dem Abi in Meißen studierte Bernd Preußer an der Karl-Marx-Uni Leipzig Mathematik mit einer Zusatzausbildung zum Fachlehrer für Mathe und Physik. Den Lehrer warb die Freie Deutsche Jugend ab. Der Sachse Walter Ulbricht und sein "Neues ökonomisches System der Planung und Leitung" (NöSPL) wollten es so, dass Naturwissenschaftler in Leitungsfunktionen kamen. So endete für den FDJ-Kader mit naturwissenschaftlichem Hintergrund die Zeit in Sachsen, er begann 1971 ein Studium an der Parteihochschule in Moskau. Als er 1974 fertig war, gab es das NöS und Walter Ulbricht nicht mehr. Die DDR hatte noch 15 Jahre zu leben. Die verbrachte der Dozent an der Parteihochschule der SED ehrenamtlich mit Jugendforschung und der Auswertung von Umfragen. Dem Mathematiker waren die Zahlen der Statistik vertraut und ließen ihn wohl auch nicht im Unklaren über den Zustand des Landes. Die politische Wende brachte denn auch die Wende im Leben des Bernd Preußer durch Rückbesinnung auf seine beruflichen Wurzeln. Frei nach Lenin: Mathematische Pädagogik plus kapitalistische Hochtechnologie gleich Überlebenschance durch Gründung eines freien Bildungsträgers. Eine Weiterbildung sofort nach 1989 reichte aus, seitdem war der begeisterte Computer-Autodidakt zugleich Lehrer für Computer. Zum Glück hatte seine Frau in der EDV gearbeitet und konnte die Existenzgründung tatkräftig unterstützen. Der erste eigene Rechner wurde aus der Konkursmasse des Volkseigenen Kombinates elektronische Datenverarbeitung gekauft. Ein freier Bildungsträger freilich muss sehen, wo das Geld herkommt, und kann nicht einspurig bis zum Rentenalter fahren: Ausbildung von Spätaussiedlern, Management von Betriebskantinen, ab 1992 dann zwei entscheidende Jahre Mitarbeit am deutschen Hilfsprogramm zur Wiedereingliederung von Armeeoffizieren in das Zivilleben in Russland. Trotz Chaos und Gesetzlosigkeit im dortigen Umbruch, trotz Unterbringung in einem herunter gekommenen Wohnheim verspürt er echte russische Gastfreundschaft. Aus der Perspektive des russischen Alltags zwischen Moskau und Nowosibirsk wird ihm die recht beschauliche Dimension der deutschen Nachwendeprobleme mehr als deutlich. Diese Erfahrungen bringt er seit 1994 als überzeugter Hellersdorfer Plattenbewohner in die politische Diskussion in seinem. Heimatbezirk ein. Der Computerfreak Bernd Preußer und Vater zweier erwachsener Kinder konnte auch nach seiner Berentung nicht einfach still zu Hause sitzen - er bot dem Herausgeberverein der jot w.d. seine Mitarbeit beim Vertrieb an. Jetzt ist er unser Finanzminister: Bernd hält im Unterschied zu Hans Eichel den Laden schuldenfrei. Ohne jegliches Ministergehalt. Zum runden Geburtstag dafür ein großes Dankeschön, alles Gute und beste Gesundheit. 

U. Clauder