Bäume fallen, Mauern wachsen

Zehn Jahre jot w.d. – Der Rückblick – Das Jahr 2005

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Im Mai diesen Jahres feierte jot w.d. 10. Geburtstag. Und wie es sich für ein so „großes“ Blatt gehört, machten wir gleich ein ganzes „Feierjahr“ daraus. Von Februar an haben wir in jeder Ausgabe auf eines der zehn Jahre zurück geblickt – was passierte im Bezirk, was erschien uns wichtig. Mit dieser Folge nun schließen wir die Reihe ab. Im Januar können die Leser wieder den „traditionellen“ Rück- und Ausblick erwarten. Wer sich für einzelne Teile unserer „Zehn-Jahres- Rückschau“ interessiert, kann sich bei der Redaktion melden.

Es war das Jahr der 15. Jahrestage – gleich mehrere Dutzend Vereine und Einrichtungen feierten im Jahr 2005 dieses Jubiläum. Nicht auf alle konnten wir eingehen. Denn es gab noch viele andere wichtige Ereignisse. Dabei sind neben einigen Aufschwüngen auch viele Abschwünge zu verzeichnen. Bereits im Januar deutete im großen Jahresinterview der damalige Bürgermeister Uwe Klett an, dass 1- Euro-Jobs kaum zur Lösung der Probleme der öffentlichen Hand beitragen werden. Wer dies glaubte, muss enttäuscht sein. An Rettung glaubte damals auch noch die Wohnungsgenossenschaft Eigentum 2000 in Marzahn. Der Glaube erwies sich im Verlauf des Jahres als Trugschluss, mittlerweile ist alles verkauft. Bleibt zu hoffen, dass die Mieterschutzklauseln in den Verträgen auch dauerhaft eingehalten werden. Denn – zuweilen schlechtes Image hin oder her – die Bewohner des Bezirks sind größtenteils zufrieden. Dazu tragen die Großvermieter einen guten Teil bei. So installierte etwa die WBG Marzahn eine „Lärmpolizei“, um Nachbarschaftsstreitigkeiten zu schlichten. Auch solche Maßnahmen tragen dazu bei, dass – wie es eine Umfrage der WoGeHe ergab – die Bewohner Hellersdorf für den „angenehmsten Wohnort ganz Berlins“ halten. 

Weniger erfreut waren die Jugendlichen ob der Einführung einer Parkordnung im Schlosspark Biesdorf. Der wird nämlich seither 23 Uhr abgeschlossen und von Sicherheitspersonal bewacht. 

Zu den Neustartern im Frühjahr zählt auch die Galerie ArtKunst- Raum, die sich zunächst in der Hellen Passage profilierte. Mittlerweile ist sie an die Quedlinburger Straße umgezogen, geschuldet dem Umbau in der Hellen Mitte. Übrigens hatte jot w.d. als eine der ersten Zeitungen über die Projekte und Ideen des damals noch neuen Zentrumsmanagers Thorsten Sydow (etwa die Saurier-Ausstellung) berichtet. Mittlerweile ist ja Vieles davon realisiert worden. Zu den „Beginnern“ zählt auch der Pflegewohnpark in Mahlsdorf, dessen Baubeginn ebenfalls ins Frühjar 2005 fiel. Solchen Einrichtungen gehört die Zukunft, das hat das Pflegewohnzentrum frühzeitig erkannt. 

Schlag auf Schlag liefen die Aktivitäten im Erholungspark Marzahn. Die Brunnen wurden repariert und sprudeln wieder, kaum ist der Orient-Garten eröffnet, entsteht schon der nächste. Im künftigen Englischen Garten wurde ein tonnenschwerer Gingko gepflanzt. Eine Entschädigung für die skandalösen Baumfällungen am Bahnhof Mahlsdorf kann er jedoch nicht sein. Denn die neue Bushaltestelle hat mitsamt der Ampel zu Verkehrsstörungen geführt, die sich als nahezu unbehebbar erweisen. Überhaupt der Verkehr – er spielte auch 2005 in jot w.d. regelmäßig eine Rolle. Vom Abschied der Bahn AG vom Ostring über den nach wie vor fehlenden Regionalhalt (Mahlsdorf oder Hoppegarten) bis hin zu umstrittenen „Mauerplänen“ in Marzahn Nord/Ahrensfelde reicht die Palette der Debatten-Angebote. 

Debattiert wurde auch umfänglich die Hartz-IV-Problematik. Sogar eine öffentliche Diskussion zum Thema „Wo sollen die Arbeitslosen wohnen“ hat der jot w.d.-Herausgeberverein organisiert. Wer nicht kam, waren die verantwortlichen Politiker.

 Manchmal, wenn etwas Gutes und Schönes für die Bewohner angekündigt wird, übermannt auch uns die Freude und zwängt Skepsis in den Hintergrund. So geschehen beim Wernerbad, über dessen Wiedereröffnung im 100. Jahr seines Bestehens wir im September schrieben und das nun doch nichts wird. So geschehen bei den im Oktober veröffentlichten Plänen für ein „Sportmuseum“ im Haus des Sports. Nicht mal das Haus gibt’s wirklich. 

Auf einer Doppelseite berichteten wir über unseren Höhepunkt des Jahres – unser Pressefest.

Wir haben es auch 2005 so gehalten, dass wir über Menschen und Aktionen berichten, die den „Hauptstadtblättern“ meist nicht einmal eine Nachricht wert sind. Seien es die vielen kulturellen Aktionen, die in unserem Bezirk über die Bühnen gehen, seien es Autoren wie Günter Ballentin, Dieter Winkler oder die Gruppen, die zur „Spurensicherung“ in gedruckter Form beitragen. 

Der absolute Höhepunkt des Jahres war für uns (und hoffentlich auch viele Gäste) zweifellos unser 1. Pressefest am 11. September auf der Parkbühne Biesdorf. Für kommendes Jahr haben wir ein „jot w.d.-Musikfestival“ am gleichen Ort „angedacht“. Wenn sich Helfer und Unterstützer finden, könnte es ja sogar was werden. 

Ralf Nachtmann

 

Was uns 2005 noch bewegte:

Januar: Umweltschützer Heino Mosel schreibt einen streitbaren Beitrag über Probleme des Wuhletals. 

Februar: Marzahner besichtigen in Bremen den Stadtumbau West. 

März: Ein Benefizkonzert für die Tsunamiopfer erbringt 600 Euro. 

April: Ein Bruderzwist erschütter t nicht nur die örtliche CDU. 

Mai: Sandmännchenvater Gerhard Behrendt (er starb dieses Jahr) erhält das Bundesverdienstkreuz. Die Brücke über die Wuhle erhält den Namen Nikolai Bersarin. 

Juni: Friedrich Wilhelm Brettschneider (er starb 2006) feier te seinen 80. 

Juli: Dagmar Gelbke schreibt ihre erste Kolumne in jot w.d. 

August: Der erste Teil der Dauerausstellung im Bezirksmuseum eröffnet. 

September: Das eastgate (größtes Einkaufszentrum des Bezirks) öffnet. 

Oktober: Wir veröffentlichen exklusiv die vollständigen Pläne zur Renaturierung der Wuhle. 

November: Wir begleiten den Wirtschaftskreis zu einer Studienfahr t nach Poznan. 

Dezember: Im Naturschutzzentrum Schleipfuhl geht ein echter Lehmbackofen in Betrieb.