Statt Enkel gibt’s zum Fest ‘ne neue Frisur

jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke plagt sich mit Weihnachtswünschen

 

Zunächst einmal soll ich Nina Lizell bei den jot w.d.-Lesern entschuldigen. Sie war ja für den November „Noch’nTalk“ in Hellersdorf angekündigt und auch zur Helga-Hahnemann-Revival-Show, die mit großem Erfolg in Seelow lief – auch ohne sie. Aber sie hatte plötzlich Angst, bei Schneesturm von Stockholm loszufliegen, der dann gar nicht so schlimm war. Aber na ja, so ist das mit älteren Diven eben.

Womit wir bei meiner Person wären. Seit Omi nicht mehr da ist, habe ich keine Einfälle mehr, wenn es ums Schreiben der „Presswehen“ geht. Ich sitze zu Hause herum wie bestellt und nicht abgeholt. Der Lebensinhalt, der Herz und Seele meint, ist mit Oma verschwunden. Kater Jerry kann den nun leeren Platz nicht ausfüllen, obwohl er sich große Mühe gibt. Er versucht sogar, Omas leicht nörgelnden Tonfall zu kopieren, wenn ihm etwas nicht passt, sprich, wenn er der Meinung ist, er sei unterernährt. Aber da er in französischen Kreisen „sozialisiert“ wurde, kommt es schon noch zu Missverständnissen.

Neulich, mitten in der Nacht, klopfte es an die Kellertür. Mann, war ich erschrocken! Und ich dachte schon, Omas Geist sei in mich gefahren, denn sie hörte zuletzt oft Klopfgeräusche im Haus. Als ich Mut fasste und öffnete, war’s Jerry. Nein, man kratzt nicht an der Tür wie andere Katzen, man klopft, dreimal. Mal sehen, wann er die Klingel entdeckt.

Nun wandle ich also durch eine recht triste, wenn auch arbeitsreiche Weihnachtszeit, die mir gerade mal zwei freie Abende lässt, wobei meine Tochter Paula und ich schon überlegen, ob wir in diesem Jahr überhaupt einen Weihnachtsbaum aufstellen. Ich werde im „Kartoon“ spielen, bei den „Oderhähnen“ und neuerdings auch bei der „Comedia Saxonia“ mit Giso Weißbach (Termine im Internet unter www.dagmar-gelbke.de). Und natürlich werde ich aus dem Lachen der Zuschauer meine Kraft für’s nächste Jahr schöpfen.

Paula fragte kürzlich, was ich mir denn zu Weihnachten wünsche. Ich habe keinen Wunsch, von der Gesundheit und dem Frieden mal abgesehen. Oder doch? Aber sich einen Enkel zu wünschen, wäre vielleicht etwas egoistisch gedacht, wo junge Leute wie meine Tochter auch nicht gerade rosigen Zeiten entgegen gehen. Aber irgendwie war es ein trauriges Bild, als ich sie vor ein paar Tagen besuchte und sie mir mit ihrem Kater auf der Schulter öffnete. Wie die Mutter, so die Tochter?

Jedenfalls will sie mir nun einen Friseur-Besuch schenken, damit ich äußerlich bald wieder am pulsierenden Leben teilnehmen kann, ohne, dass sie sich mit ihrer alternden Mutter schämen muss. Apropos pulsierendes Leben: Neulich war ich bei der Einweihung der Helga-Hahnemann-Büste, die pünktlich zu Helgas 15. Todestag im Friedrichstadtpalast aufgestellt wurde. (siehe Seite 2)

Carsten Klingbeil hat sie erschaffen, und ich war gerührt über die Details seiner Arbeit, vor allem über die goldenen Ballettschuhe, die er unserer Henne um den Hals gehängt hat. Leider stimmt das Profil nicht, und so sieht Helga auf ihrem Sockel mehr aus wie ich in zehn Jahren – die Nase ist einfach zu lang geraten. Henne hatte nämlich ein süßes kleines Riechorgan. Ansonsten haben sich in meinem Umkreis fast alle Leute, die sich in diesem verflixten „Jahr des Hundes“ verstritten hatten, wieder versöhnt, was mich doch weihnachtlich stimmt. Wie gut, dass man, so lange man am Leben ist, immer noch alles immer wieder ändern kann!

In diesem Sinne wünsche ich meinen jot w.d.-Lesern eine besinnliche Weihnachtszeit. Und wer am 1. Januar einen Erste-Hilfe-Kurs in Sachen „Kater“ braucht, sollte pünktlich 11 Uhr das mdr-Fernsehen einschalten! Janine Strahl, Peter Imhof und natürlich auch Reinigungsfachkraft Hertha Grünke, dargestellt durch meine Wenigkeit, stehen in der Sendung „Zwischen Rollmops und Aspirin“ mit Rat und Tat bereit.

Herzlichst,

Eure Dagmar Gelbke