Gregor, Oskar, Auguste und Charly M.

Tipps von der Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke für die Adventszeit

Vor ein paar Tagen saß unser Gregor mit seinem Oskar bei Beckmann, so in etwa unter dem Motto „Berühmte Paare“. Und seicht wie der Anspruch war die Sendung dann auch. So seicht, dass mir Oskar durch seine spitzbübischen Antworten echt sympathisch wurde. Dabei kann ich, wie Beckmann dem Ost-Volk immer wieder unterstellte, den Lafontaine wirklich nicht leiden.

Aber das lag einfach an der platten Fragerei Beckmanns. Na ja, eben ein Sportreporter (Heinz-Florian, verzeih!). Der Grund, weshalb ich über diese Sendung überhaupt rede, war die Bemerkung  Gysis, dass er am eigenen Leibe erfahren habe, wie schwer es sei, eine regelmäßige Kolumne zu schreiben.

Denn nun ist schon wieder Advent, und mir ist, als hätte sich im Vergleich zum vergangenen Jahr gar nichts geändert, und die peinliche Gefahr, schon längst Gesagtes zu wiederholen, sitzt mir im Nacken. Dazu noch die neue Premiere von meinen Frankfur ter „Oderhähnen“, die am 8. Dezember stattfinden soll. Und meine Gasthörerstudien an der altehrwürdigen Viadrina, wo ich mich u. a. mit englischen Gruselgeschichten wie „Dracula“ und spanischer Grammatik herumschlage, nehme ich auch ernster, als ich es eigentlich vorhatte. Na gut, bezeichne ich all das mal als meinen ganz persönlichen Adventsstress.

„Auguste“ liegt schon im Eisfach

Immerhin hatten wir – Paula, die noch immer im Hotel Mama herumhängt, plus ein paar treue Freunde – schon Muße, das Weihnachtsgansangebot zu testen. Polnische Gänse für 15 Euro das Stück, wunderbar saftig, das ist mein Tipp. Nein, man muss nicht 9 Euro pro Kilo zahlen! Ansonsten tun die Kaufhauskonzerne gerade jetzt eine Menge für das immer stärker verarmende deutsche Volk, man muss die Kapitalisten ja auch mal loben. Das mit der Verarmung meine ich nicht zynisch, man liest immer öfter von drohender Alters- und vorhandener Kinderarmut, und wenn man es schon liest, nachdem es jahrelang bestritten wurde, muss ja auch was dran sein.

Ich kenne ja auch die Höhe meiner zukünftigen Rente, davon allein könnte ich mir das Heizöl nicht mehr leisten. Wenn ich darüber nachdenke, muss ich immer an Oma denken, die in der Nachkriegszeit wohl fünf Jahre nicht heizen konnte, weil es keine Kohlen gab. Und ich frage mich, wo wir hingekommen sind, und das, wo doch eine Frau die Geschicke des Landes lenkt. Wollten wir Weiber nicht die besseren Menschen werden und die Welt vermenschlichen? Ach ja, mit dieser Frage beschäftigt sich übrigens das neue Kabarettprogramm in Frankfurt, denn es heißt: „Frauen ruinier‘n die Welt oder Der Mann als Auslaufmodell“.

Aber ich war ja bei den Kaufhauskonzernen. Abgesehen davon, dass ich die Advents-Öffnungszeiten bis 24 Uhr für übertrieben halte, ist es erstaunlich, was sie sich einfallen lassen, um die Leute in die Warenhäuser zu kriegen. Jeden Tag, auch sonntags, eine Show, von Mario Barth über Tanztee, Rock‘n‘Roll- und Gospelshow bis hin zu kostenlosem Sektempfang im KaDeWe, unglaublich! Wer Zeit hat, kann diese Adventszeit wirklich als einziges Kultur-Event erleben. Wenn er hart bleibt und keinen Plunder kauft, den die Welt nicht braucht.

Ich hab darin jetzt schon richtig Übung, und ich nehme auch immer Menschen mit, die sonst nicht mehr rauskommen würden, oft, weil sie es sich nicht mehr leisten können. Meine von mir „adoptierte“ Tante Helga zum Beispiel, die schon sehr demenzkrank ist, aber aufblüht, wenn ich sie besuche. Tja, so werden Kaufhäuser zu sozialen Begegnungsstätten – wie gesagt, wenn man sich nicht einlullen lässt.

Heißer Tipp: „Charly M“ in der Allee

Zum Schluss noch ein Weihnachtsmärchen: Es war einmal ein schöpferischer Mann, der hieß Peter Tepper und hatte vor vielen, vielen Jahren mit seinen Satirikerkindern das gute alte Kabarett „Kartoon“ gegründet. Eines Tages klauten ihm seine Kinder den Namen „Kartoon“ und schickten ihn in Rente. Von Stund an spielen sie unter altem Namen an alter Spielstätte, aber unter neuer künstlerischer Leitung von Michael Ranz. Sie spielen hauptsächlich Michael-Ranz-Programme.

Der kauzige alte Mann aber ließ sich seinen Traum vom wahren Kabarett nicht kaputt machen. Und so eröffnete er mit Sabine Genz und Wolfram Lauenburg am 1. Dezember sein neues Kabarett mit dem Namen „Charly M“ - in der ehemaligen Selbstbedienungsgaststätte neben dem Kino Kosmos, also dort, wo die Charly-Marx-Allee zur Frankfurter Allee wird. Und wenn sie nicht sterben, spielen sie Kabarett bis ans Ende ihrer Tage. Von dieser Stelle aus toi toi toi und viele Besucher! Ich verbrachte den 1. Advent übrigens in Gedenken an den 16. Todestag von Helga Hahnemann im Tschechow- Theater in Hellersdorf.

In diesem Sinne eine kulturvolle Adventszeit, friedliche Weihnachten und alles, was dazu gehört

Eure Daggie