Musiklegenden des Ostens – jot w.d.-Serie, Teil 52 

In der Juli-Ausgabe 2004 begannen wir, Künstler vorzustellen, die in der Jugendzeit vieler unserer Leser – also in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren – Schlagzeilen machten. Wie geht es den Publikumslieblingen von einst heute? jot w.d. traf viele von ihnen. Wir setzen unsere Serie in dieser Ausgabe  mit dem Komponisten und Musiker Arnold Fritzsch  fort.

Eine Zusammenstellung aller bisherigen Beiträge in dieser Serie finden Sie hier.

 

Arnold "Murmel" Fritzsch

 

So schließt sich der Kreis

Name des Musikers, Sängers und Komponisten Arnold Fritzsch wird zumindest im Osten Deutschlands immer mit einer Band verbunden sein, die sich 1973 gründete. Ihr Name: „Kreis“. Damit fing schließlich alles einmal an. Ihr erster großer Hit „Doch ich wollte es wissen“ (mit Eva Fritzsch an der Querflöte) 1975 war ein Dauerbrenner. Die anderen Songs auf der ersten Amiga-LP der Berliner Band kennt heute kaum noch jemand, etwa „Du machst mich müd“, „Bleib doch hier“ oder „Und wir gingen auf uns zu“. Alle Kompositionen und Arrangements stammen von Arnold Fritzsch, die Texte von Fred Gertz. Im Sommer 1982 löste sich „Kreis“ auf.

 

Seitdem trat „Murmel“, wie er von Freunden genannt wird, zunehmend als Komponist und Studioproduzent in Erscheinung. Er entwickelte 1985 mit anderen Musikern und DJs ein Studio- Dance-Projekt, schrieb Songs u.a. für Olaf Berger, Lippi, Arnulf Wenning. Vor allem aber verband ihn eine enge Zusammenarbeit mit Ines Paulke. Für sie schrieb er unter anderem den wunderbaren Titel „The Colour of my Tears“.
 Der musikalische Weg des heute vor allem als Filmkomponisten bekannten Musikers liegt aber viel weiter zurück. 1951 in Schlettau (Erzgebirge) geboren, brachte sich Arnold schon mit 10 selbst das Klavierspielen bei. Seine erste Schülerband nannte sich „The Teenager Stars“. Zum Abitur 1970 hatte er bereits fünf Jahre Ausbildung am Robert- Schumann-Konservatorium Zwickau hinter sich. Von 1971 an studierte Fritzsch an der Berliner Musikhochschule Hanns Eisler Komposition/Arrangement und Trompete. Während des Studiums lernte er seine erste Frau kennen. Mit ihr und den Musikern Uwe Peschke, Helmut Sickel und Gerhard Witte gründete er die Popgruppe „Kreis“. Die zweite Hälfte der 80er waren sehr erfolgreich für den Musiker.
Sein Soloalbum „Wärme“ erschien sowie das zweite Pop-Projekt „Dance, Dance, Dance“ für den Berliner Friedrichstadtpalast. 1990 heiratete er zum 2. Mal; die Auserwählte war die TVModeratorin Angela Mohr. Vorrangig widmete er sich seit dieser Zeit jedoch der Komposition von Filmmusiken, etwa für die Serie „Polizeiruf 110“. Auch nach der Wende ging er diesen Weg weiter, schrieb u.a. die Filmmusiken für TV-Serien wie „Der Bergdoktor“, Mitte der 90er für die ZDF-Krimi-Serie „Die Staatsanwältin“, danach für Serien wie „Dr. Monika Lindt“ (RTL) oder „Fieber (SAT 1), später für TV-Filme wie „Heimatgeschichten“ (MDR), „Glück auf halber Treppe“ (ARD) oder „Die Frau im roten Kleid“ (2005).

 

Der Alleingang im eigenen Studio befriedigte den Vollblutmusiker auf Dauer nicht. Ihn zog es wieder auf die Bühne. So gründete er im Jahr 2000 gemeinsam mit Ines Paulke das Live-Musik-Projekt „Rockzdaddy“. Die „Hausband“ des bekannten Liveklubs „Knorre“ in Berlin- Friedrichshain war in der Berliner Szene schon bald bekannt wie ein bunter Hund. Auch wir erlebten dort unvergessene Sessions mit hervorragenden Gastmusikern. Parallel dazu zog es den Musiker auch auf die Theaterbühnen, z.B. die Uckermärkischen Bühnen Schwedt. Großen Erfolg hatten die Bühnenstücke zu den Digedags „Ritter Runkels große Stunde“ (2004) und „Ritter Runkel und die Digedags in Venedig“ (2005), zu denen Fritzsch die Musik schrieb. Ebenso zu dem Musical „Mauerkinder“, das 2005 in Schwedt uraufgeführt wurde und dem Kindermusical „Ein MOMU in der S-Bahn“ (2006). Erfolgreich tourte er mit dem Live-Projekt „Monily und die Papiertiger“.

Privat war der Vater von vier Söhnen (Marcus, David, Paul und Peter) nach der Trennung von Angela 2002 nach 12 Ehejahren in ein tiefes Loch gefallen. Freunde, eine Therapie und vor allem die Musik halfen ihm, die schwere Zeit der Depression zu überstehen. Auch die Zusammenarbeit mit seinem Freund Hendrik Bruch, dem Ehemann von Inka Bause, mit dem ihn ein ähnliches Schicksal verband. Inzwischen ist auch privat das Glück wieder an seiner Seite. Sein größter Stolz sind seine vier Söhne, die aus verschiedenen Beziehungen stammen. Mit ihnen verbringt er viel Zeit. Und mit Anja hat Murmel nun auch eine neue Liebe gefunden. Seit Mai 2008 sind die beiden verheiratet.

Ingeborg Dittmann