Merkel, Künast, Roth – ist  Politik nun Komödie oder Schweinkram?

Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke ist auf dem Weg zum Bachelor, machte eine fast traumatische Erfahrung und lernt Weihnachtslieder

Zunächst einmal einen herzlichen Gebur tstagsgruß an meinen lieben Kollegen Giso Weißbach, der am 8. Dezember sein 70. Lebensjahr vollendet, man will es nicht glauben! Und natürlich beste Wünsche auch an Ber t Beel, der am 1.12. den 66. feierte und, wenn man Udo Jürgens glauben darf, dessen Leben erst beginnt – was mir nur zugute kommt, denn ich möchte mit ihm noch viele gemeinsame spannende Theaterbesuche erleben, die immer beim Griechen und mit viel Ouzo enden.

Nun zu unserer Kanzlerin. Die hat, so scheint mir, die Politik endlich verstanden – als Komödie. Neuerdings witzelt sie bei Bundestagsdebatten und selbst militärischen Entscheidungen fröhlich vor sich hin: „Sehen Sie die Umgestaltung der Bundeswehr als Chance! No risk –no fun!“ rief sie bundesdeutschen Militärs zu, als sie die Entscheidung, die Wehrpflicht abzuschaffen, verteidigte. No risk – no fun. Soll heißen, wer kein Risiko eingeht, hat auch keinen Spaß. Klar, wenn die Bundeswehr jetzt eine Söldnertruppe wird, tragen die Soldaten das Risiko, getötet zu werden, freiwillig. Und der Staat ist fein raus. Wo aber bitte liegt der Spaß dabei? Im Töten? Am Foltern? Endlich nicht mehr nur am Computer, sondern in echt?

Und das mit den Immer-Dagegen-Grünen, denen unsere Weihnachts-Angie unterstellt, das Weihnachtsfest zwar nicht, die Adventszeit aber doch abschaffen zu wollen. Das sollte ein Witz sein? Da hatte unsere inzwischen manchmal zweireihige wandelnde Knopfleiste keinen guten Gag-Schreiber! Sollten die Grünen diesen Vorschlag aufnehmen, würde auch ich sie sofort wählen – und das, wo ich diese stets beleidigte Künast und diese ihre verschalten Körpermassen vor sich herschiebende Roth nicht ertragen kann. Obwohl: Im Horst- Schlämmer-Film war sie köstlich komisch. Und sagte ich nicht gerade, Politik ist eine Komödie?

Sie ist schon wieder da, diese laute Adventszeit, die eigentlich besinnlich sein soll. Für mich die schlimmste Zeit des Jahres; sie erinnert mich daran, was ich in diesem Jahr wieder nicht geschafft habe. Zum Beispiel das Entrümpeln meines Kellers. Durch den Wasserschaden vom Sommer und den Einzug meines neuen Untermieters, der riesige, unausgepackte Kisten mitgebracht hat, keine Chance.

Aber! Ich habe meine Klausur vom September tatsächlich bestanden, mich mit einer „Drei“ zwar nicht mit Ruhm bekleckert, doch für den Bachelor reicht die Punktezahl völlig aus. Es ist nämlich dieselbe, die ich auch mit einer „Eins“ bekommen hätte. Das ist schon ein seltsames Studiensystem. Nun bastle ich fleißig an der Vorarbeit zu zwei Hausarbeiten. Ich habe für die „Oderhähne“ eine Zuschauerumfrage erarbeitet, die hochinteressante Ergebnisse brachte. Zum Beispiel, dass das Programm, von dem wir meinen, es sei ein wenig unter der Gürtellinie angesiedelt – „Einer er trage des Anderen Lust“ – politisch aktueller eingeschätzt wird, als das mit dem Star-Kabarettisten Lothar Bölck, dem beim MDR-Fernsehen aufsteigenden „Kanzleramtspförtner“. Was wollen uns die Zuschauer damit sagen? Dass Politik nicht nur eine Komödie, sondern auch ein „Schweinkram“ ist?

In diesem Zusammenhang hatten meine Kollegin Margit Meller und ich mit unserem Weiberprogramm „Wir sind nicht alt! Aber sexxy!“ eine traumatische Erfahrung, als wir Anfang November bei einem Treffen gealterter Kameraden einer schlagenden Verbindung auftraten. Alle unsere – nun ja – doch etwas schlüpfrigen Pointen wurden peinlich berühr t bekicher t, es gab auch einen bezeichnenden Moment, wo ich als Ilse Gürtelschnalle die Gäste mit „Sport frei“ begrüßen wollte und eine mitfeiernde Ehefrau „Sport Heil!“ rief. Wir dachten: Oh Gott, hier sind wir ja völlig fehl am Platze. Ich bekam dann die enttäuschte email des Veranstalters: „Wir dachten, das Programm bedient den Titel! Aber es war viel zu politisch für unsere Zuschauer!“ Tja, so sind sie, unsere Brüder und Schwestern: Für sie ist schon diese Situation politisch: Zwei Ost-Rentnerinnen, die „nicht eine Mark in die BRD-Sozialkassen eingezahlt haben“, jammern über die mickrige Rente und beschweren sich, dass sie sich mit Telefon- Sex über die Runden helfen.

Jedenfalls habe ich am 10. Dezember wieder eine Premiere in Frankfurt (Oder) – „Spärlich währt am längsten“, zusammen mit Lutz Stückrath und Margit Meller. Zwischen all den Proben muss ich jetzt schnell noch Weihnachtslieder lernen für eine Kinderweihnachtsfeier, die ich mit meiner Tochter an ihrer Arbeitsstätte bestreite. Beim Proben fiel mir dann wieder ein, dass ich seit Jahren zusammen mit Paula eine Weihnachts-CD produzieren will. Ich bin sonst nicht so selbstsicher, was meine Kunst betrifft, aber diesen Gleichklang der Stimmen darf man der Welt einfach nicht vorenthalten! Seit ungefähr zehn Jahren denke ich das, aber immer erst in der Adventszeit, wenn es für’s laufende Jahr zu spät ist.

Adventsgeschädigt: Dagmar Gelbke bei Dr. Lutz Stückrath

 Foto: Klemt

Plätzchen backen muss ich auch noch – meine WG-Kollegin Margit schlägt schon die Hände über dem Kopf zusammen aufgrund der durcheinander gebrachten Küchenordnung – und einen Katzenweihnachtskalender basteln. Die Weihnachtspyramide hätte ich justieren lassen müssen, denn seit Jahren dreht sich das gute Stück aus DDR-Zeiten immer nur einmal in der Weihnachtszeit, nämlich dann, wenn ich sie aufgebaut habe und ausprobiere. Danach nie wieder ... bis zum nächsten Jahr. In diesem Sinne eine fröhliche Weihnachtszeit, wir hören uns 2011

 Eure Daggie