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Warum tut sie sich das noch an? Kabarettistin und jot w.d.-Kolumnistin Dagmar Gelbke kämpft gegen Katzen-Flöhe, steht kurz vorm Bachelor und diskutierte in den heiligen Hallen der Super Illu |
Wie lange woll’n Sie das noch machen / Warum tun Sie sich
das noch an / Soll man da weinen oder lachen / Wird das nicht peinlich irgendwann?
/ Sind Sie als Frau nicht längst zu alt / Ne tragisch-komische Gestalt?
Ein wunderbares Lied von Mary Roos, das wir für unser neues
Programm bei den „Oderhähnen“ verwenden. Premiere war bereits am 1. November,
deshalb hatte ich keine Zeit für die November-Kolumne. Im Moment frage ich mich
aber wirklich, wie lange ich das noch machen kann. Nicht, dass mich die Bühne
überlastet, im Gegenteil, da habe ich mich ein Leben lang unterfordert gefühlt.
Aber die Flöhe von Kater Karl zum Beispiel, die überfordern mich! Dreißig Jahre
habe ich Katzen im Haus gehabt, aber noch nie musste ich Katzenflöhe
vernichten. Das „Tötolin“ aus dem Drogerie- Markt hat gar nichts geholfen und
das vom Tierarzt auch nicht. Teuer ist das Zeug obendrein, und Karl kratzt sich
immer noch wund. Jetzt habe ich so ein Kammerjäger-Vernebler-Spray besorgt,
aber das bedeutet: Stundenlang darf niemand im Haus sein, auch die Katze nicht.
Dann muss ewig gelüftet werden bei der Kälte draußen. Und die Gasheizung muss
natürlich ausgeschaltet werden, weil das Zeug extrem entflammbar ist. Ob ich
die Heizung je wieder ankriege?
Zur Besinnlichkeit im Advent wird es also nicht wirklich
kommen, denn ich muss am 24. Dezember meine Studienarbeit über die „Rituale der
Macht im Schriftstellerverband der DDR“ abgeben. Dazu hatte ich Super-Gespräche
mit Gisela Steineckert und auch mit Gisela Oechelhaeuser, aber ich frage mich
doch, wem nützt eigentlich diese ganze Aufarbeitung von Dingen, die vergangen
und nicht mehr zu ändern sind? Aber gut, es ist die vorletzte Prüfung vor der
Bachelor-Arbeit, ich werde doch jetzt nicht aufgeben! Zumal die
September-Klausur eine 2,3 gebracht hat.
Und dann dieses Tamtam um die 25 Jahre Mauerfall – und 25
Jahre Einheit im nächsten Oktober winken auch schon – eigentlich kann ich es
nicht mehr hören. Aber Siggi Trzoß, der unerschütterliche Kämpfer für den
deutschen, insbesondere ost-deutschen Schlager, den man eigentlich endlich mal
für das Bundesverdienstkreuz vorschlagen müsste, hat erreicht, dass sich die
Super Illu diesbezüglich mit den „Alt-Meistern“, wie Redakteur Mark Kaiser uns
so schön nannte, zusammen gesetzt hat: Ulli Schwinge, Giso Weißbach, Hans- Jürgen
Beyer, Regina Thoss, Puppendoktor Pille, Lutz Hoff, Sven Simon, Maja-Katrin
Fritsche – um nur einige zu nennen.
Ein bisschen kam ich mir ja bei diesem „Sonderstammtisch“
vor wie bei den Sitzungen im Komitee für Unterhaltungskunst – irgendwie waren
es dieselben Themen: Damals ging es darum, warum die fleißigen Mugger, die in Tausenden
Veranstaltungen im Land künstlerische Leistungen erbrachten, nicht im Fernsehen
vorkamen: Artisten, Kleinkünstler, Kabarettisten, Moderatoren, Tänzer. Heute
geht es darum, warum der deutsche Musikmarkt in den wenigsten Radiosendern
präsent ist. Ulli Schwinge hat sehr emotional berichtet, er wisse aus besser informierten
Kreisen beim mdr, dass die Beraterfirmen unserer Rundfunkanstalten, denen wir unsere
GEZ in den Rachen schmeißen, eigentlich Lobby-Vertreter der amerikanischen
Musikindustrie sind. Wie anders ließe sich sonst erklären, dass über drei Viertel
unserer Gema-Gebühren in die USA gehen?
Nun bin ich ja Radiohörer und finde, dass die neuen
deutschen Interpreten schon gespielt werden: Tim Bendzko, Ich&Ich, Xavier Naidoo,
Silbermond – es sind schon einige. Dennoch erlebe ich es gerade in dem Flixbus,
in dem ich auf meinem Weg nach Dresden sitze, um mir ein neues altes Auto zu
kaufen: Warum dudeln im Berliner Rundfunk ausschließlich englischsprachige
70-er und 80-er- Jahre-Hits und kaum 70-er und 80- er-Jahre-Hits aus deutscher
Ost- und Westproduktion?
Lustig, oder sagen wir mal, tragisch- komisch finde ich in
diesem Zusammenhang, dass wir uns eigentlich etwas zurück wünschen würden, was
in der DDR verhasst war: Die 40/60-Regelung zugunsten der eigenen
Musikproduktion – die heute in vielen anderen EU-Ländern, Frankreich z.B., nunmehr
gesetzlich festgelegt ist. Gut, über solche spezifischen Hintergründe will die
Super Illu nicht schreiben, so was gehöre in ein Fachmagazin. Aber immerhin
boten die Redakteure an, wieder so eine Rubrik einzuführen wie „Was macht
eigentlich…?“ Ein schöner Ansatz – doch machen wir uns nichts vor: Die alte
Popularität erreicht keiner von uns jemals wieder. Denn nur durch permanente Präsenz
auf allen Sendern bleibt man im Gespräch. Dagmar Frederic schafft das
eigentlich als einzige von uns immer wieder – und wie sie selbst sagt: Leider
durch negative Nachrichten. Aber so ein dickes Fell haben die wenigsten von
uns.
Aber, liebe jot w.d.-Leser, wir haben ja Euch, die uns die
Treue halten. In diesem Sinne: Eine schöne Weihnachtszeit. Überfordert Euch und
Eure Lieben nicht und schaut optimistisch ins nächste Jahr. Dadurch wird auch
nichts gut, aber man fühlt sich besser.
Eure Daggie